Nachhaltiges Bauen in der Praxis

Interview Michael Gertig, Integrale Planung, Ausgabe Mai 2016


Wie definieren Sie "Nachhaltiges Bauen" persönlich?

Als nachhaltiges Bauen definiere ich eine gesamtheitliche Betrachtung des Lebenszyklus eines Gebäudes, beginnend bei der Planung über die Errichtung, die energieeffiziente und ressourcenschonende Nutzung, die soziale Integration in das Benutzerumfeld sowie die Möglichkeit einer Nutzungsänderung bis hin zum Rückbau unter ökologischen Gesichtspunkten.

Nutzen Sie integrale Planungsmethoden bzw. einen ganzheitlichen Planungsansatz in Ihrem Praxisalltag? Welcher konkrete Nutzen ergibt sich hieraus für Sie?

Ja, wir wenden integrale Planungsmethoden an. Gerade in der TGA ist es wichtig, Planungsprozesse frühzeitig zu begleiten, um ein optimales Anlagenkonzept zu realisieren. Gleichzeitig hilft uns die ganzheitliche Planung, Abläufe zu verbessern: Schnittstellen zwischen den einzelnen Haustechnikgewerken können besser geplant, gesteuert und kontrolliert werden. Daraus resultieren deutlich weniger Fehler und ein kostenoptimiertes Bauen. Durch den Einsatz komplexer Gebäudeautomations- und Energiemanagementsysteme lassen sich vielfältige Energieeinsparpotenziale in der Gebäudetechnik erschließen.

Werden Sie mittelfristig gezielt z.B. in entsprechende Fortbildungsmaßnahmen, leistungsfähigere Werkzeuge (z.B. Software) oder speziell ausgebildetes Personal investieren? 

Um diese Ziele und einen Mehrwert für unsere Unternehmensgruppe zu erreichen investieren wir in spezielle Software-Lösungen (BIM/Revit) sowie in die Weiterbildung unserer Mitarbeiter. Hierbei setzen wir auch auf die Ausbildung und Studienbegleitung von Mitarbeitern.

Welche Themenaspekte rund um „Nachhaltiges Bauen“ sollten in künftigen Ausgaben der Edition „Integrale Planung“ verstärkt oder besonders ausführlich behandelt werden?

Durch das BIM-Verfahren werden die unterschiedlichen Nutzerbedürfnisse sichtbar. Daraus lässt sich ein stimmiges Anforderungsprofil formen, das als Grundlage für weitere Planungen dient. Nutzerbedürfnisse verändern Architektur, Statik und Gebäudetechnik. Nur die Beachtung aller Parameter führt zu einem wirtschaftlichen Ergebnis. Leider werden die Auswirkungen der gebäudetechnischen Anforderungen auf die Gebäudearchitektur sehr oft gar nicht oder sehr spät erkannt – darauf sollte das Magazin „Integrale Planung“ intensiv eingehen. Unsere Erfahrungen im Alltag zeigen immer wieder, dass in diesem Punkt Optimierungsbedarf besteht.

Sie haben einen Wunsch frei, der Ihre Planungspraxis deutlich „unkomplizierter“ bzw. effektiver macht. Wie würde dieser lauten?

Ich wünsche mir einen offenen und sachlichen Informationsaustausch aller am Bau beteiligten Planungspartner ab einem sehr frühen Stadium. Mangelhafte Kommunikation führt meistens zu Kompromissen, mit denen keiner so richtig zufrieden ist, oder sogar zu Fehlern und Mängeln am Bau. Die Gebäudetechnik hat in energetischer und nutzungsrelevanter Hinsicht eine enorme Bedeutung – und das muss von allen Planungs- und Ausführungsbeteiligten klar erkannt werden. Letztlich soll der Bauherr bzw. Investor mit seinem Bauprojekt vollauf zufrieden sein und es energieeffizent und langlebig nutzen können.